5 Fragen an Interior-Expertin Barbara Friedrich

In diesem Interview spreche ich mit Interior-Expertin Barbara Friedrich über den Reiz von Designklassikermöbeln. 

Barbara Friedrich

Barbara Friedrich hat Philosophie, Literatur und Kommunikationswissenschaften studiert und beschäftigt sich seit den frühen 1980er Jahren als Journalistin mit Design. Sie war fast zwei Jahrzehnte Chefredakteurin des Magazins A&W Architektur und Wohnen, bis sie sich 2016 selbstständig machte und seither als Autorin, Moderatorin und Jurorin im Bereich Architektur, Design und Lifestyle wirkt. Außerdem erzählt sie in Videoclips die Geschichten von Designklassikern.

Links zu ihrem YouTube Kanal, sowie zu ihrer Website finden Sie am Ende des Interviews.


Andreas Kruse:

Hallo Frau Friedrich, als langjährige Journalistin in leitender Position im Bereich Architektur und Wohnen kennen Sie sämtliche Einrichtungsstile und Trends im Bereich Interior. Was macht für Sie den besonderen Reiz von Designklassikern aus?

Barbara Friedrich:

Vor allem, dass sie Möbel mit Geschichte sind. Mit einem Lounge Chair, zum Beispiel, ziehen doch die faszinierenden Gestaltungsideen von Ray und Charles Eames ins Wohnzimmer. Außerdem: Designklassiker sind ästhetisch langlebig und wertbeständig. Insofern sind sie auch nachhaltig.

Andreas Kruse:

Wenn man sieht, dass viele Bauhausmöbel noch heute als modern gelten, waren die Designer ihrer Zeit damals weit voraus.  Gibt es aktuell auch bestimmte Stile oder einzelne Designer, denen Sie zutrauen ihrer Zeit voraus zu sein und vielleicht noch in vielen Jahrzehnten als modern zu gelten?

Barbara Fiedrich:

Eine Bewegung wie das Bauhaus ist einzigartig. Dafür bedurfte es auch des geschichtlichen Kontextes der Zeit: erster Weltkrieg, Industrialisierung, Aufbruch in eine „bessere Welt“ – auch wenn die dann sehr kurz war.

Im Zeitalter von „Anything goes“ ist es schwer, überdauernde Stile auszumachen. Für mich haben Gestalter wie Dieter Rams, Ingo Maurer oder auch Jasper Morrison das Zeug auch noch von unseren Enkeln gekannt und geschätzt zu werden.

Andreas Kruse:

Die Materialien von Designklassikern sind besonders hochwertig. Oft werden sie, zumindest teilweise, noch von Hand verarbeitet. Sind die zum Teil fünfstelligen Verkaufspreise Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?

Barbara Friedrich:

Eindeutig ja! Bei einem Ferrari oder Porsche fragt niemand, ob der Preis gerechtfertigt ist. Und wie die sind auch Original-Designklassiker wertbeständig – oder steigen sogar im Wert. Wenn es sich z. B. um rare Stücke aus der Bauhaus-Zeit dreht, kann man auf Auktionen stattliche Gewinne erzielen.

-> Passend dazu der Artikel Werterhalt bei Designermöbeln

Andreas Kruse:

Besitzen Sie auch selbst Designklassiker, wenn ja, welches ist Ihr liebstes Stück?

Barbara Friedrich:

Wir wohnen mit vielen Designklassikern: von den Eames haben wir zwei Lounge Chairs mit Ottoman und Alu-Chairs, die neben Mart Stam-Stühlen von Thonet am Esstisch stehen; Beistelltische sind von Eileen Gray „Adjustable E1027“ und „Occasional Table“; als Leuchten nutzen wir die „Tizio“ und „Tolomeo“; unser Alltagsbesteck ist das „Mono A“ von Peter Raacke u.v.m.

Mein liebstes Stück ist eine moderne „Design-Ikone“, die garantiert mal ein Klassiker wird: der „Thinking Man’s Chair“ von Jasper Morrison aus den 1980er Jahren. Davon stehen gleich zwei auf unserer Terrasse, und in denen sitzen mein Mann und ich häufig mit einem Glas Wein und genießen die Abendsonne …

Andreas Kruse:

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview!


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