Das Bauhaus – Mehr als eine Kunstschule

Orte des Zusammenwirkens von Kunst, Industrie und Handwerk

Das Bauhaus (1919–1933) war die wohl bedeutendste Kunstschule der Moderne. Es konnte die unterschiedlichen avantgardistischen Tendenzen der Zeit bündeln und daraus ein ästhetisches Funktionalismusverständnis entwickeln, das – ganz ähnlich der aus England stammenden Arts-and-Crafts-Bewegung –  Kunst, Handwerk, Industrie und Produktion zusammenführt.

Bauhaus Dessau Außenansicht

Das Bauhaus – Die ganze Geschichte

1919 durch Zusammenschluss der Großherzoglichen Hochschule für bildende Kunst und der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule von dem Architekten Walter Gropius (1883-1969) als Staatliches Bauhaus in Weimar gegründet, siedelte die Schule 1925 nach Dessau über. Dort wurde sie als Hochschule für Gestaltung in einem eigens von Gropius errichteten Bauhausgebäude eröffnet. 1928 verließ Walter Gropius das Bauhaus.

Seine Nachfolge trat der Schweizer Architekt Hannes Meyer (1889-1954) an, der unter nationalsozialistischem Druck sein Amt 1930 niederlegen musste. Auf ihn folgte Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969), der versuchte, die Schule zu entpolitisieren, allerdings mit wenig Erfolg: 1932 sah sich das Bauhaus auf Betreiben der Nationalsozialisten veranlasst, Dessau zu verlassen und nach Berlin überzusiedeln, wo es sich 1933 selbst auflöste.

Meister der Form

Das Bauhaus spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eines neuen pädagogischen Konzepts für die Ausbildung von Gestaltern. 1919 durch Johannes Itten (1888–1967) eingeführt, diente eine einjährige Vorlehre – auch Vor- oder Grundkurs genannt – dazu, die Studierenden vom Ballast traditioneller Regeln und Vorstellungen zu befreien.

Gleichzeitig wurden die «Bauhäusler» in grundlegende künstlerische Gestaltungsmittel eingeführt. Derart ausgebildet, entschieden sich die Studierenden dann für die Mitarbeit in einer der Bauhaus- Werkstätten. Dort wurden sie von einem «Meister des Handwerks» in den Handwerkstechniken und von einem Künstler, dem so genannten «Meister der Form», ausgebildet – unter anderem von so renommierten Künstlern wie Lyonel Feininger (1871-1956), Walter Gropius, Johannes Itten, Wassily Kandinsky (1866-1944), Gerhard Marcks (1889-1981), Paul Klee (1879-1940), Georg Muche (1895-1987), Lothar Schreyer (1886-1966), Oskar Schlemmer (1888-1943) oder László Moholy-Nagy (1895-1946).

Jungmeister

Das Bauhaus hat zahlreiche bedeutende Gestalter hervorgebracht. Zu nennen sind in erster Linie besonders begabte Designer und Designerinnen, die nach Abschluss der Ausbildung als so genannte «Jungmeister» in der Lehre tätig waren: Marcel Breuer (1902–1981), Josef Albers (1888–1969), Herbert Bayer, Joost Schmidt (1893-1948) sowie Hinnerk Scheper (1897-1957), Gunta Stölzel (1897-1983) und Marianne Brandt (1893-1983). Bezogen auf inhaltliche und gestalterische Aspekte können am Bauhaus fünf Phasen unterschieden werden.

Die 5 Phasen des Bauhauses

Die expressionistische Handwerksphase (1919–1922)

Mit der Gründung des Bauhauses wurde 1919 ein Manifest veröffentlicht, das die Vereinigung der Künste unter dem Primat der Architektur forderte. In Anlehnung an die englische Arts & Crafts-Bewegung wurden zudem arbeitsreformerische Ideen propagiert, die auf eine Neubelebung des mittelalterlichen Bauhüttengedankens zielten. Charakteristisch ist eine expressionistisch inspirierte Formensprache, die sich in handwerklich gefertigten Einzelstücken nieder schlägt.

Hinwendung zu einem ästhetischen Funktionalismus (1922– 1923)

Die Zeit zwischen 1922 und 1923 war durch die bewusste Hinwendung zur Industrie gekennzeichnet. Nachdem Gropius 1922 von der Thüringischen Landesregierung aufgefordert wurde, Rechenschaft über das Geleistete abzulegen, konzipierte er eine Ausstellung, für die er die Losung «Kunst und Technik – eine neue Einheit» ausgab. Dieses Motto bestimmte nicht nur die ausgestellten Exponate, sondern gab auch auf theoretischer Ebene Richtlinien für die weitere Bauhausarbeit vor: Jetzt musste es darum gehen, das gestalterische Schaffen in den Dienst der industriellen Produktion zu stellen.

Exemplarische Manifestationen einer neuen industriellen und medialen Ästhetik (1924–1927)

Allen Erfolgen zum Trotz bewirkten reaktionäre Kreise eine Schließung des Weimarer Bauhauses. Bis zur Neueröffnung in Dessau im Dezember 1926 konzentrierten sich die Kräfte auf organisatorische Belange und auf die Ausgestaltung der von Gropius konzipierten Neubauten. Mit ihren kubischen Formen manifestieren das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser Klarheit und Einfachheit; große verspiegelte Fensterflächen verweisen in ihrer Transparenz auf Transzendenz und Entmaterialisierung.

Die industrielle Ästhetik des Gebäudes fand ihr Pendant in den neu entwickelten Stahlrohrmöbeln und Metallleuchten. Auch die mediale Selbstdarstellung wurde mit der Herausgabe der Zeitschrift «bauhaus» und den Bauhaus-Büchern weiter professionalisiert, die nach den Prinzipien der Neuen Typografie nahezu ausschließlich von Moholy-Nagy gestaltet wurden. Die zunehmende Bedeutung der Printmedien manifestierte sich auch im Lehrplan.

Umzug nach Dessau

Mit dem Umzug nach Dessau wurden Schrift, Typografie und Reklame in das Lehrkonzept aufgenommen; ab 1927 war mit Hannes Meyer zudem Architektur als eigenes Lehrfach vertreten. Die praktische Umsetzung dieser Forderungen, der Vorschlag, einen größeren Auftrag von außen in der Möbelwerkstatt ausführen zu lassen, stieß jedoch auf erbitterten Widerstand Ittens, der sich als Formmeister eben dieser Werkstatt diesem Ansinnen verweigerte. Der so genannte Gropius-Itten-Streit, der die Neuausrichtung des Bauhauses grundsätzlich verhandelte, endete schließlich mit dem Weggang Ittens.

An seine Stelle trat László Moholy-Nagy, der mit seinem Enthusiasmus für Licht und Klarheit den Bauhausdirektor stark beeindruckte und insofern als Gropius’ persönliche Entdeckung gilt. Er übernahm Ittens Vorkurs, den er durch eine Elementarlehre ersetzte, in der dreidimensionale Objekte nach konstruktivistischen Prinzipien entwickelt wurden. Zudem leitete er die Metallwerkstatt und konzipierte zusammen mit Joost Schmidt und Herbert Bayer die Gestaltung der Werbedrucksachen zur Bauhaus-Ausstellung 1923, die sich durch eine klar lesbare Typografie auszeichneten. In der Folge wurde die Zusammenarbeit mit der Industrie weiter forciert.

Programmatische Ausrichtung auf Wirtschaftlichkeit und Wissenschaftlichkeit (1928–1930)

Mit Walter Gropius’ Weggang und dem Amtsantritt von Hannes Meyer fand nicht nur eine personelle Zäsur statt. Nun wurde das feinsinnig Ästhetische durch «Nützlichkeitssinn » ersetzt – unprätentiöse Möbel aus Sperrholz, auch für den Eigenbau geeignet, sollten die Produkte verbilligen und nach Meyers sozialistisch inspirierter Maxime «Volksbedarf statt Luxusbedarf» auch für die Arbeiterschicht erschwinglich sein. Entsprechend wurde die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Bauhausprodukte weiter forciert. In der Ausbildung dominierten Wissenschaftlichkeit und rational Überprüfbares.

Das Bauhaus als entpolitisierte Architekturschule (1930–1933)

Nachdem Meyer unter rechtsradikalem Druck von seinem Amt als Bauhausdirektor zurückgetreten war und das Bauhaus verlassen hatte, übernahm Ludwig Mies van der Rohe die Leitung. Angesichts der schwierigen politischen Verhältnisse konzentrierte er sich darauf, das Bauhaus zu entpolitisieren.

Er schränkte die Rechte der Studierenden ein und verkürzte das Studium auf sechs Semester. Zudem veränderte er Aufgaben und Struktur der Werkstätten. Sie sollten nicht mehr selbst produzieren, sondern Modelle für die Industrie liefern. Des Weiteren vereinigte er die Werkstätten Metall sowie Tischlerei und Möbelherstellung mit technischen Werkstätten der Bauabteilung zu einer «Bau- und Ausbauwerkstatt». Damit schaffte er nicht nur die bis dahin blühende Produktion in den Werkstätten ab, mit denen sich das Bauhaus teilweise finanziert hatte, sondern machte es auch zu einer Architekturschule, der einige Werkstätten angegliedert waren.

Das Ende des Bauhauses

Ungeachtet dieser Bemühungen wurde das Bauhaus nach dem Wahlsieg der Nationalsozialisten in Dessau 1932 unhaltbar. Die Schule siedelte nach Berlin-Steglitz in eine stillgelegte Telefonfabrik um. Von Ludwig Mies van der Rohe als Freies Lehr- und Forschungsinstitut fortgeführt, löste es sich nach Hausdurchsuchungen und Versiegelung durch die Gestapo 1933 selbst auf.

 Literaturverzeichnis

Droste, Magdalena: Bauhaus. 1919–1933, Köln 2006.

Haus, Andreas (Hg.): Bauhaus-Ideen 1919–1994. Bibliografie und Beiträge zur Rezeption des Bauhausgedankens, Berlin 1994.

Wick, Rainer: Bauhaus. Kunstschule der Moderne, Ostfildern-Ruit 2000.

Wingler, Hans M.: Das Bauhaus. 1919–1933, Weimar, Dessau, Berlin und die Nachfolge in Chicago seit 1937, 4. Auflage der 2. erw. Ausg. von 1968, Köln 2002.

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